Einstreu ist eine schwierige Sache: klassische Stroheinstreu ist aufwändig zu misten, die Qualität nicht immer ausreichend und braucht viel Platz für die Lagerung und auf der Miste. Hobelspäne sind teuer und immer schwieriger zu entsorgen. Es gibt viele Varianten als Alternativen: Leinstroh, Flachs, Strohpellets, Kurzstroh, Pferdebett, Miscanthus, ..., ein "aber" bleibt aber bei fast allen. Aber da gibt es ja auch noch den Waldboden ...

Waldboden wird gerade von immer mehr Pferdeleuten für sich entdeckt. Das Prinzip: angerotteter Grünschnitt ursprünglich aus der Forstwirtschaft, der durch den Verarbeitungsprozess keine Giftstoffe für Pferde mehr enthält wird mindestens 30 cm hoch in die Box verbracht. Durch das enthaltene Bodenmillieu wird Harnstoff aufgespalten und damit die Ammoniakbildung vollständig verhindert. Es bildet sich in kürzester Zeit eine elastische, wärmende Fläche, auf der die Pferdeäpfel liegen und mit einer Spänegabel einfach abgemistet werden können. Der Waldboden fällt dabei durch die Gabelzinken durch, zurück bleiben die Pferdeäpfel. Der Boden hat positive Auswirkungen auf die Atemwege und Hufqualität, ist aber gewöhnungsbedürftig dunkel.

Nasse Stellen können herausgenommen oder bei entsprechender Boxengröße auch zum Trocknen verteilt werden. Von Zeit zu Zeit wird dann neuer Waldboden dazu eingestreut, bis dann von Zeit zu Zeit die gesamte Box komplett ausgemistet und wieder neu eingestreut wird.

Diese Optionen klangen interessant genug um das Experiment zu wagen: vorerst mal für 2 Innenboxen im "unteren Stall", je 3x3m. "Versuchskaninchen" waren ein 19j Württemberger Wallach und eine 11j Welsh Cob Endmaßstute. Waldboden zu bekommen stellte sich dann schon als schwieriger als gedacht heraus. Schließlich hat ein Forstbetrieb aus der Nähe von Günzburg geliefert: mit 20,- € pro Kubikmeter relativ günstig, schlugen dafür die Transportkosten immens zu Buche.

Die etwas großzügig gerechneten 5 kubik stellten sich dann als doch viel zu viel heraus und mussten in einige Bigpacks umgeschaufelt werden! Die Menge hat dann letztendlich für 8 Wochen nachstreuen incl Grundeinstreu für die 2 Containerboxen ausgereicht.

Nach 7 Wochen dann der Test: wie gut/schlecht wird sich diese Matte aus der Box herausbringen lassen? Aufgrund der hohen Transportkosten sollte nun ein näherer Anbieter versucht werden: die Firma AKG/Pfaffenhofen bietet mit ihrem "Stala fein" ein Waldbodenprodukt auf Grünschnittbasis an und ist mit ca 5,-/to noch günstiger. Unter 40 to brauche ich wegen Lieferung aber gar nicht zu fragen - also den 750 kg Hänger herausgeholt und vollladen lassen. Das macht dort der "kleine Radlader", unter dessen Schaufel mein Hängerle fast verschwindet.

Das Material ist dunkler und erdiger, funktioniert aber was Ammoniakvermeidung und Liegekomfort angeht genau so gut. Auch die Befürchtung, jetzt eine tonnenschwere Matte stückweise herausbrechen zu müssen bewahrheitet sich zum Glück nicht. Nach nur 1h haben mein 12j Sohn und ich die gesamte Box leer und auf dem Hänger verladen, die neue Einstreu mit Schubkarren wieder verteilt und geglättet.

 

Mein Fazit nach 3 Monaten und mittlerweile 4 Boxen:

etwas gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem ein geniales Zeug: ich werde auf jeden Fall weitermachen!

- selbst im alten Zustand stinkt nix, es fällt kein Ammoniak an
- die Mistmenge ist um ein Vielfaches reduziert, da ich nur die Pferdeäpfel entferne und kein "halbnasses" Stroh mehr mit hinausfahren muss. Bei 4 Pferden fallen noch etwa 1 Schubkarren voll am Tag an.
- Misten geht in viel kürzerer Zeit, 2-3x / Woche wird ein kleiner Schubkarren voll Boden in die Box gekippt und in der Mitte verteilt
- die Pferde fressen definitiv nichts davon - noch nicht mal die Ponies, die wegen ihrer Leichtfuttrigkeit recht kurz gehalten werden
- mit dem moderaten Nachstreuen ist die Einstreu trocken und auch die hochweißen Beine weiterhin weiß, die Pferde liegen gerne darauf
- jeder Gartenbesitzer der den Boden gesehen hat hat mir den Mist vom Boxausräumen mit Handkuss abgenommen. Mittlerweile gibt es einige neue Hochbeete in Bönnigheim damit.

Allerdings kann man nicht alles über einen Kamm scheren:

- bei dem Württemberger Wallach habe ich deutlich mehr nachstreuen müssen. Zum einen eigenes Verschulden: der Untergrund der Box besteht aus dicht verlegten Waschbetonsteinen, die fast keine Flüssigkeit durchlassen. Zum anderen sind die 3x3m Boxgröße eher zu klein, was einen höhere Bodenbelastung bedeutet. Das müsste bei z.B. 3x4m Boxen deutlich besser sein.

- anders bei der Endmaßstute: dort habe ich in den 3 Monaten 1x die halbe Box ausgeräumt und eher nur 1x alle 2 Wochen überhaupt nachgestreut

 

Durch den aktuellen Auszug aus dem unteren Stall wird jetzt der weitere Test im Laufstall mit 4 Pferden gleichzeitig weiter gehen. Da müsste es eigentlich noch besser funktionieren.
Wer sich den Boden daher mal in natura anschauen will (gern auch "testmisten", am liebsten jeden Tag ;-): ihr seid immer willkommen!

 

Waldboden 1 / Forstwirtschaft: